über uns
second bau ist ein Projekt zur Stärkung zirkulärer Bauprozesse durch die Wiederverwendung von Bauprodukten, Bauteilen und Materialien. Im Zentrum steht der Aufbau eines praxisorientierten Kompetenz- und Transferzentrums, das Umsetzung, Vernetzung und Qualifizierung miteinander verbindet.
Kern ist ein Bauteillager als Reallabor, in dem Materialien erfasst, aufbereitet und für neue Bauvorhaben verfügbar gemacht werden. Digitale und physische Infrastrukturen werden dabei gezielt miteinander verknüpft.
Wissenswertes
Zahlen und Fakten
Der Bausektor zählt zu den ressourcenintensivsten Bereichen unserer Gesellschaft. Auf Errichtung und Betrieb von Gebäuden entfallen rund 40 Prozent der klimaschädlichen Emissionen weltweit. Gleichzeitig verursacht der Bausektor etwa 55 Prozent des Müllaufkommens in Deutschland, während nur rund 13 Prozent der mineralischen Materialien wiederverwertet werden. Weltweit stehen Gebäude für etwa 50 Prozent des Ressourcenverbrauchs (Umweltbundesamt und BMWi Energiedaten 1/2022; dena 2021).
Zirkuläres Bauen setzt hier an: Bauprodukte, Bauteile und Materialien sollen möglichst lange genutzt, erhalten und wiederverwendet werden. Statt Gebäude am Ende ihrer Nutzung als Abfallquelle zu betrachten, rückt ihr Materialwert in den Mittelpunkt.

Lebenszyklus von Gebäuden
Gebäude verursachen Umweltwirkungen nicht nur während des Betriebs, sondern über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg. Dazu gehören die Herstellung und Errichtung, die Nutzungs- und Betriebsphase, spätere Sanierungen sowie der Rückbau am Ende einer Nutzung. Je nachdem, wie ein Gebäude geplant, betrieben, saniert und zurückgebaut wird, unterscheiden sich auch seine Emissionen und Ressourcenwirkungen deutlich.
Zirkuläres Bauen betrachtet deshalb nicht nur einzelne Bauprodukte, sondern den gesamten Lebensweg eines Gebäudes. Besonders wichtig ist die Frage, was am Ende einer Nutzung passiert: Werden Bauteile entsorgt, recycelt oder können sie durch selektiven Rückbau erhalten und wiederverwendet werden? Je früher diese Frage in Planung, Umbau und Sanierung mitgedacht wird, desto besser lassen sich Materialien im Kreislauf halten.

Bestand als Ressource
Gebäude bestehen zu einem großen Teil aus ressourcen- und energieintensiven Materialien wie Beton, Ziegeln, Stahl und Glas. In Deutschland machen diese Materialien durchschnittlich mehr als 60 Prozent der Gebäudesubstanz aus (Nagel 2022). Damit liegt ein großer Teil zukünftiger Bauressourcen bereits in der gebauten Umwelt.
Urban Mining beschreibt die systematische Rückgewinnung von Rohstoffen aus Gebäuden, Infrastrukturen und anderen langlebigen Gütern. Im Bauwesen bedeutet das: Der Bestand wird als urbane Mine verstanden. Vorhandene Bauteile und Materialien werden erfasst, bewertet, möglichst schonend ausgebaut und erneut nutzbar gemacht. Ziel ist es, Primärrohstoffe zu schonen, Abfälle zu vermeiden und vorhandene Ressourcen hochwertig in neue Nutzungen zu überführen.
Rückbau mit Zukunft
Wenn Rückbau nicht vermeidbar ist, kann selektiver Rückbau dazu beitragen, Bauteile und Materialien gezielt zu sichern. Dabei werden wiederverwendbare Elemente frühzeitig identifiziert, dokumentiert, schonend ausgebaut und für eine weitere Nutzung vorbereitet. Entscheidend ist, den Rückbau nicht als reine Entsorgung zu verstehen, sondern als Beginn eines neuen Nutzungszyklus.
Im Unterschied zum Recycling oder Downcycling bleibt beim Re-Use der Wert eines Bauteils möglichst erhalten. Türen, Fenster, Fassadenelemente, Bodenbeläge, Trennwände oder technische Komponenten können so in neuen Projekten weitergenutzt werden. Dadurch werden Abfälle vermieden, Primärrohstoffe eingespart und vorhandene Bauprodukte länger im Kreislauf gehalten.
Schnittstelle Bauteillager
Eine der größten Hürden für Re-Use ist die fehlende Verfügbarkeit zum richtigen Zeitpunkt. Planer*innen, Handwerker*innen und Bauherr*innen können gebrauchte Bauteile nur einsetzen, wenn diese auffindbar, geprüft, lagerbar und verlässlich verfügbar sind. Ohne geeignete Strukturen gehen viele wiederverwendbare Materialien verloren, obwohl sie in neuen Projekten eingesetzt werden könnten.
Bauteillager schließen die Lücke zwischen Rückbau und Wiedereinbau. Sie ermöglichen Zwischenlagerung, Begutachtung, Qualitätssicherung, Aufbereitung und Vermittlung. In Kombination mit digitalen Plattformen können Informationen zu Mengen, Qualitäten, Zeiträumen und Einsatzmöglichkeiten zugänglich gemacht werden. So werden Bauteile planbarer und Re-Use wird im Baualltag praktisch umsetzbar.
Grundprinzipien zirkuläres Bauen
Abriss hinterfragen

Standards neu denken

Form follows availability

Urban mining

Form follows disassembly

Integral planen

Projektziele

Was wir tun.
second bau entwickelt ein praxisnahes System für die Wiederverwendung von Bauteilen entlang der gesamten Baupraxis. Im Mittelpunkt stehen reale Abläufe von Rückbau, Materialerfassung und -bewertung bis hin zu Aufbereitung, Lagerung und Wiedereinbau in konkrete Projekte.
Prozesse werden an Prototypen und Case Studies erprobt, analysiert und kontinuierlich weiterentwickelt. Dabei entstehen belastbare Erkenntnisse zu Verfügbarkeit, Qualität, Kosten und logistischen sowie rechtlichen Rahmenbedingungen.
Digitale Werkzeuge unterstützen die transparente Erfassung und Vermittlung von Materialien. Gleichzeitig werden handwerkliche Verfahren der Demontage und Aufbereitung getestet und in praktikable Abläufe überführt.
Besonderes Augenmerk liegt auf der Entwicklung funktionierender Schnittstellen zwischen Planung, Handwerk, Baupraxis und Verwaltung, um zirkuläre Prozesse tatsächlich umsetzbar zu machen.
Was wir erreichen wollen.
Ziel von second bau ist es, kreislauffähiges und ressourcenschonendes Bauen dauerhaft in der Baupraxis zu verankern. Der Gebäudebestand wird dabei als Quelle wiederverwendbarer Materialien verstanden, um Emissionen zu reduzieren und Rohstoffe im Kreislauf zu halten.
Ein Schwerpunkt liegt darauf, die Lücke zwischen Rückbau sowie Neu- und Umbau zu überwinden und Materialflüsse systematisch in Planungs- und Bauprozesse zu integrieren.
Planung soll künftig stärker auf verfügbare Ressourcen ausgerichtet werden. Gleichzeitig wird daran gearbeitet, den Zugang zu geeigneten Bauteilen zu verbessern und deren Einsatz im Projektalltag zu erleichtern.
Darüber hinaus adressiert das Vorhaben bestehende Hemmnisse, insbesondere wirtschaftliche, organisatorische sowie rechtliche und normative Anforderungen, und entwickelt dafür übertragbare Lösungsansätze.
Lagern.

Kreisläufe schließen.

Zirkulär bauen.

Fortbilden.

Vernetzen.

Blaupause schaffen.

Förderung
second bau wird im Rahmen des Fördertitels „Kompetenzzentrum für zirkuläre(s) Handwerk und Bauwirtschaft: Ein Bauteillager als Reallabor für Bildung, Transfer, Handwerk und Baukultur im Kreislauf“ umgesetzt.
Die Förderperiode umfasst den Zeitraum von November 2025 bis Oktober 2028.
Gefördert wird das Projekt durch das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen und kofinanziert durch die Europäische Union im Programm „Circular Economy – CircularCities.NRW“ (EFRE/JTF NRW 2021–2027).
Das Programm CircularCities.NRW unterstützt Kommunen und regionale Akteur*innen bei der Entwicklung und Umsetzung innovativer Ansätze für eine zirkuläre Wirtschaft. Ziel ist die Schließung von Stoffkreisläufen, die Reduktion von Ressourcenverbrauch sowie die Stärkung nachhaltiger Wertschöpfung in der Stadt- und Regionalentwicklung.

Projektpartner
second bau wird als Verbundprojekt von Partnern aus Kommune, Wissenschaft und Praxis umgesetzt. Die Konsortialführung liegt bei der Landeshauptstadt Düsseldorf – Amt für Umwelt- und Verbraucherschutz sowie der Hochschule Düsseldorf – In-LUST. Gemeinsam koordinieren sie die strategische Ausrichtung, die inhaltliche Entwicklung und den Transfer in Verwaltung, Forschung und Öffentlichkeit.
Die weiteren Kooperationspartner bringen ergänzende Kompetenzen entlang der gesamten Wertschöpfungskette ein – von Digitalisierung und Materialbewertung über Rückbau und Logistik bis hin zu Geschäftsmodellentwicklung und praktischer Umsetzung.
geförderte Partner
Laarakkers ReSource GmbH
Laarakkers bringt umfassende Erfahrung im Rückbau und im Umgang mit Materialien aus Bestandsgebäuden ein. Das Unternehmen erschließt und verarbeitet Baustoffe entlang des Rückbauprozesses und trägt zur Entwicklung belastbarer Prozesse bei.

Landeshauptstadt Düsseldorf –
Amt für Umwelt- und Verbraucherschutz
Das Umweltamt Düsseldorf arbeitet an zentralen Themen wie Klimaschutz und Ressourcennutzung. Im Projekt werden diese Perspektiven in die Entwicklung und Umsetzung zirkulärer Ansätze eingebracht und mit bestehenden Strukturen in Verwaltung und Stadtentwicklung verknüpft.

Vertragspartner
urselmann interior
urselmann interior bringt Erfahrung aus zirkulärem Innenausbau, Planung und handwerklicher Umsetzung ein. Das Unternehmen arbeitet mit ReUse-Materialien und entwickelt Lösungen für Umbau, Aufbereitung und Wiedereinbau. Im Projekt unterstützt ui Lager-, Logistik- und Anwendungsprozesse.

WzH
Werkstatt für zirkuläres Handwerk
Die Werkstatt für zirkuläres Handwerk überträgt Kreislaufwirtschaft in die handwerkliche Praxis. Im Fokus stehen Reparatur, Aufbereitung und Wiederverwendung von Materialien und Bauprodukten. Im Projekt werden handwerkliche Prozesse erprobt und in Abläufe für zirkuläres Bauen übersetzt.



